Tides: A Fishing Game
Kein Simulator, sondern ein kleines gezeichnetes Gedicht über Wasser, Wellen und Geduld.
- Entwickler
- Shallot Games
- Plattformen
- Android, iOS
- Sessionlänge
- 10–15 Min.
- Einstiegshürde
- niedrig
- Play-Store-Bewertung
- ★ 4.0 (8.690 Rezensionen)
- Redaktionsnote
- 3.9 / 5
Ersteindruck
Tides verzichtet komplett auf Fangzähler, Level-Nummern oder Fortschrittsbalken. Man sitzt an einem handgezeichneten Ufer, wirft die Leine aus und wartet — begleitet von Wellen, die sich mit jeder Tages- und Gezeitenphase anders verhalten. Das Spiel ist eher Beobachtung als Wettbewerb und richtet sich klar an eine andere Stimmung als der Rest des Katalogs.
Steuerung
Es gibt nur eine einzige Eingabe: den Wurf per Antippen der Wasseroberfläche. Danach übernimmt das Spiel — kein Timing-Fenster, kein Minispiel beim Anschlag, kein Balken, der gefüllt werden muss. Diese fast vollständige Steuerungslosigkeit ist eine bewusste Designentscheidung und keine fehlende Funktion; sie unterscheidet Tides von jedem anderen Spiel im Katalog.
Grafik und Atmosphäre
Der Aquarell-Look ist im Katalog einzigartig: weiche Übergänge, gedämpfte Farben, kein einziges HUD-Element, das aufdringlich wirkt. Zusammen mit einer zurückhaltenden Klangkulisse entsteht eine Atmosphäre, die näher an einem interaktiven Bild als an einem klassischen Handyspiel liegt — man könnte das Spiel minutenlang laufen lassen, ohne dass etwas Dringendes passiert, und genau das scheint die Absicht zu sein.
Technik und Performance
Trotz der gemalten Optik bleibt die Bildrate auch auf älteren Mittelklasse-Geräten stabil — die Illustrationen sind flach animiert statt aufwendig gerendert, was dem Akku spürbar zugutekommt und lange Sitzungen ohne Hitzeentwicklung erlaubt. Der Installationsumfang bleibt dadurch ebenfalls kleiner als bei den grafisch aufwendigeren 3D-Titeln im Katalog.
Für wen es nichts ist
Wer nach Fortschrittssystemen, Sammellisten oder überhaupt einem klar erkennbaren Ziel sucht, wird schnell die Geduld verlieren — Tides erklärt sein Fehlen an Struktur nie und will es offensichtlich auch nicht. Spielerinnen und Spieler, die Zahlen und Balken brauchen, um motiviert zu bleiben, sind hier an der falschen Adresse.
Was als Nächstes zu lesen ist
Für alle, die genau diese Ruhe schätzen, aber etwas mehr sichtbaren Fortschritt wollen, ist Fishing Season die nächstliegende Alternative im Katalog — ebenfalls ruhig getaktet, aber mit klarer Ortsprogression. Wer umgekehrt noch ruhiger unterwegs sein will als hier, wird im gesamten Katalog kein passenderes Spiel finden — Tides markiert bewusst das entspannte Ende der Skala.
Vorteile und Nachteile
Vorteile
- Handgezeichnete Optik hebt sich deutlich vom Rest des Katalogs ab
- Kein aggressives Fortschrittssystem, das zum Weiterspielen drängt
- Läuft flüssig auch auf älteren Geräten
Nachteile
- Inhaltsumfang ist der kleinste im Vergleich zu den anderen vier Titeln
- Wer klare Ziele und Zahlen mag, wird hier wenig finden